Bei neuen Technologien richtet sich der Blick oft zuerst auf die Gefahren: Man fürchtet, Künstliche Intelligenz ersetze das Denken und vernichte Arbeitsplätze. Dieser Reflex unterstellt fälschlich einen fixen ökonomischen Kuchen, der lediglich neu verteilt wird, doch die Wirtschaftsgeschichte beweist das Gegenteil. Produktivitätsgewinne vergrössern den Kuchen. Wie bei der Erfindung der Glühbirne, des Automobils oder des Internets verschwinden alte Berufe, während neue entstehen; technologischer Fortschritt hat stets den Wohlstand der breiten Bevölkerung erhöht, nicht nur den einer Minderheit.KI übernimmt die Aufgabe, dem Menschen bleibt mehr Kapazität für den eigentlichen Zweck. Nichts anderes verbirgt sich hinter dem Begriff der Produktivität: das Potenzial, mit demselben Personal deutlich mehr zu erreichen. Vervielfacht sich etwa die Effizienz eines Softwareentwicklers, fällt der Preis seiner Leistung entsprechend, wodurch sich nun auch Kleinunternehmen Technologien leisten können, die zuvor Grosskonzernen vorbehalten waren. Der adressierbare Markt wächst somit nicht linear, er explodiert. Hochwertige KI-Unterstützung im Tagesgeschäft setzt Kapazitäten für Liegengebliebenes und Neues frei, verbessert die Qualität fast jeder Dienstleistung und befeuert die Innovationsrate spürbar – von naturwissenschaftlichen Durchbrüchen bis hin zum Alltag unseres eigenen Unternehmens.
Das Ausmass der KI-Investitionen
Die fähigsten Köpfe der Technologiebranche gehen bei Datenzentren kompromisslos in die Offensive. Für das Jahr 2026 summieren sich die angekündigten Investitionen von Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta auf rund 700 Milliarden US-Dollar – unter Einbezug von Oracle gar auf 750 Milliarden. Das übersteigt das gesamte deutsche Bundesbudget, entspricht etwa dem Sechsfachen des Schweizer Bundeshaushalts und rund zwei Prozent des US-Bruttoinlandprodukt. Zur Finanzierung binden diese Konzerne mittlerweile nahezu ihren gesamten operativen Geldfluss und emittieren Anleihen in dreistelliger Milliardenhöhe. Aus einst kapitalschlanken Modellen werden hochgradig kapitalintensive Konstrukte. Doch ein Blick in die Auftragsbücher widerlegt die These einer reinen Spekulationsblase: Microsofts kommerzielle Auftragsreserve hat sich auf über 600 Milliarden US-Dollar verdoppelt, und bei Google Cloud stieg sie auf über 460 Milliarden. Das Sprachmodell-Unternehmen Anthropic brauchte nach seiner Gründung knapp vier Jahre für die erste Umsatzmilliarde – und steigerte die jährlichen Erträge innerhalb weniger Monate von 9 auf beachtliche 47 Milliarden US-Dollar. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte ist ein Unternehmen derart rasant gewachsen; ein vergleichbares Tempo erreichte einzig und kurz zuvor OpenAI mit ChatGPT. Etablierte Technologiekonzerne wie Alphabet und Amazon benötigten für eine vergleichbare Umsatzgrösse ein bis zwei Jahrzehnte. Die Nachfrage ist folglich ebenso real wie beeindruckend, auch wenn die Bewertungen der Akteure äusserst heterogen ausfallen.