Das Jahr 2025 war eine Geduldsprobe für den langfristig orientierten Anleger. In den USA wurde Diversifikation bestraft, da weiterhin wenige grosse Technologie-Aktien die Performance dominierten. In Europa erlebten Sektoren eine Renaissance, die langfristig und strukturell eine tiefere Performance als der Gesamtmarkt erwirtschaften. Zusätzlich belastete die Schwäche des US-Dollars die Rendite für internationale Investoren, nachdem dieser im Vorjahr noch stark angestiegen war. Die mediale Berichterstattung drehte sich entsprechend rasant: War der „King Dollar“ Ende 2024 noch das Mass aller Dinge, dominierten nun Sorgen über das US-Defizit und die Zollpolitik die Schlagzeilen.
Befinden wir uns in einer KI-Blase?
Das dominierende Thema war zweifellos die Künstliche Intelligenz (KI). Die Frage nach einer Blasenbildung bedarf einer differenzierten Betrachtung. Der globale KI-Markt wird von echten Anwendungen getragen: Millionen Menschen nutzen KI täglich, autonome Fahrzeuge sind bereits unterwegs und Produktivitätssteigerungen sind greifbar. Dennoch offenbarten sich für den Anleger im Jahresverlauf 2025 fundamentale Risiken. Die rasante technologische Entwicklung verringert die Prognostizierbarkeit. Im Januar stellte die Veröffentlichung des chinesischen Open-Source-Modells Deepseek die marktbeherrschende Stellung der US-Giganten in Frage, da es mit wenig Kapital über beeindruckende Fähigkeiten verfügte. Zum Ende des Jahres überholte Alphabet mit der Veröffentlichung von Gemini 3.0 den bisherigen Spitzenreiter ChatGPT. Dies wiederum hatte Folgewirkungen auf der Hardware-Seite: Nvidias Dominanz wurde durch eigens designte Chips von Alphabet und deren Zulieferern (wie Broadcom) herausgefordert.
Die Ausgaben für Rechenzentren gehen selbst den finanzstärksten Unternehmen an die Substanz. Während Giganten wie Microsoft oder Meta ihre KI-Investitionen aus stabilen Geldflüssen decken, stehen bei reinen KI-Unternehmen (wie OpenAI) enorme Rechenkosten vergleichsweise geringen Einnahmen gegenüber. Vor dem Aufkommen der KI hatten die Technologie-Giganten tiefe Ausgaben für Kapitalinvestitionen und Personal. Das Wettrüsten um KI zwingt sie nun, deutlich mehr in beides zu investieren, was das Finanzprofil und die Risiken deutlich verändert. Als Empfänger dieser enormen Investitionen sind Hardwareproduzenten wie beispielsweise Nvidia besonders exponiert.
KI ist ein disruptiver Trend mit weitreichenden Folgen. Aber eine Technologie, die die Welt verändert, kann trotzdem das Vermögen von Anlegern gefährden, wenn die Bewertungen zu hoch sind, in die falschen Unternehmen investiert wird oder deren Gewichtung im Index zu hoch ist. Historisch gesehen sind die anfänglichen Marktführer nicht immer die langfristigen Gewinner (man denke an Kodak, Yahoo, Nokia oder Netscape).
